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Von Steckdose bis Steilpass: Davud hat's drauf.

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Davud Halilovic hat im Sommer 2025 nicht nur erfolgreich seine Lehre bei der Elektro Burkhalter AG in Bern abgeschlossen, sondern direkt danach auch auf internationalem Parkett geglänzt: bei der U19-Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten. Wie er den Spagat zwischen Beruf und Spitzensport meistert, welche Rolle sein Arbeitgeber dabei spielt und warum er sich entschieden hat, auch nach seiner Lehre im Unternehmen zu bleiben, verrät er im Interview.

Welche Lehre hast du letztes Jahr abgeschlossen?
Davud: Ich habe bei der Elektro Burkhalter AG in Bern die Lehre als Elektroinstallateur EFZ abgeschlossen.

Wie hast du den Spagat zwischen Lehrabschlussprüfung und Weltmeisterschaft gemeistert?
Die letzten Monate waren schon auch intensiv. Aber ehrlich gesagt waren die ganzen letzten vier Jahre insgesamt sehr intensiv: sieben bis acht Trainings pro Woche, Spiele am Wochenende – und gleichzeitig musste ich in der Schule und auf der Baustelle Leistung bringen. In der LAP-Vorbereitungszeit konnte ich mit meinen Trainern vereinbaren, etwas weniger zu trainieren. Das war eine grosse Hilfe. 

Ich bin zum Glück jemand, der schnell lernt. Trotzdem habe ich sehr viel Zeit in die Prüfungsvorbereitung investiert. Interessanterweise hat mir das Training in dieser Phase sogar geholfen. Es hat meinen Kopf freigemacht. Mein Tipp an alle, die unter Druck stehen: Macht Sport! Das verschafft Abstand zum Alltag.

Wie ging es nach der LAP weiter? Direkt Richtung Weltmeisterschaft?
Ja, genau! Die LAP war im Juni und schon Ende Juli ging es mit der Nationalmannschaft zu Testspielen nach Frankreich. Nach einer einwöchigen Pause in der Schweiz stand im August dann die U19-Weltmeisterschaft in Ägypten auf dem Programm. Der Wechsel war hart, aber ich war total fokussiert. Am letzten Prüfungstag war mein Kopf noch voll bei der LAP, danach aber zu 100% beim Handball.

Wie lief das Turnier insgesamt für euch als Mannschaft?
In der Gruppenphase spielten wir gegen Marokko, Kosovo und Ungarn – danach folgten Partien gegen Schweden und Österreich. Gegen Österreich konnten wir gewinnen, gegen Schweden mussten wir uns geschlagen geben. Am Ende belegten wir den elften Platz, was ein sehr gutes Resultat ist – vor allem wenn man bedenkt, dass es im Team viele Umstellungen gab.

Was war dein persönliches Highlight an der U19-Weltmeisterschaft in Ägypten?
Für mich war das Spiel gegen Schweden ein Höhepunkt, auch wenn wir als Team verloren haben. Ich habe in dieser Partie meine bisher vielleicht stärkste Leistung auf internationalem Niveau gezeigt. Es hat einfach alles gepasst: Ich war fokussiert, selbstbewusst und konnte mein Potenzial voll ausschöpfen. Das ist ein Moment, auf den ich richtig stolz bin.

Wie bist du eigentlich zum Handball gekommen – und was fasziniert dich daran?
Als Kind habe ich lange Fussball gespielt, später auch Aikido, Unihockey, Tischtennis – so ziemlich alles (lacht). In der vierten Klasse habe ich dann Handball als Schulsport gewählt, danach aber wieder aufgehört. Jahre später hat mich mein damaliger Trainer kontaktiert und gefragt, ob ich wieder in Belp mitspielen will. Ich war in der achten Klasse, also bereits relativ alt für einen Einstieg in den Elitesport. Aber ich habe viele Tore geschossen und gute Leistungen gebracht. Bereits nach wenigen Monaten trainierte ich mit der U17-Nationalmannschaft.

Was hat dich ursprünglich zur Lehre bei der Elektro Burkhalter AG geführt?
In der achten Klasse gab es bei uns ein Berufswahlprojekt. Damals fand ich alles rund um Strom und Schalter spannend. Mein Vater hat mich ebenfalls motiviert, denn er fand, Elektroinstallateur sei eine gute Grundausbildung.

Wie konntest du während deiner Lehrzeit Training und Beruf unter einen Hut bringen?
Anfangs hatte ich einen ganz normalen Lehrvertrag. Doch nach einem halben Jahr, als ich in die Academy kam (Die Suisse Handball Academy ist das offizielle nationale Leistungszentrum im Männerhandball), musste ich mehr trainieren. Ich sprach mit meinem Chef – und er unterstützte mich.

Ich hatte Trainings vor der Arbeit, manchmal von der Znüni- bis zur Mittagspause oder am Abend. Zum Glück waren viele meiner Baustellen in der Nähe der Trainingshalle, sodass ich nur kurze Anfahrtswege hatte. Später bekam ich dann einen Sportlehrvertrag. Eigentlich dauert die Lehre damit fünf Jahre, aber ich konnte sie in vier Jahren abschliessen.

Gab es besonders herausfordernde Tage?
Definitiv. Morgens Training, nachmittags Grossbaustelle, abends wieder Training: Das war körperlich sehr anstrengend. Ich bin nach dem letzten Training jeweils direkt ins Bett und habe ausser Arbeit und Sport nicht viel vom Tag mitbekommen. Ich habe aber gleichzeitig auch gelernt, mental gut für mich zu sorgen. Bei dieser Belastung besteht die Gefahr, irgendwann auszubrennen. Auch habe ich auf meinen Körper geachtet und zur Regeneration beispielsweise Yoga gemacht.

Inwiefern hat dich dein Arbeitgeber unterstützt?
Sehr stark. Roger, mein Berufsbildner, hatte immer grosses Verständnis für meine sportlichen Verpflichtungen und unterstützt mich, wo er kann. Ich durfte schon früh selbstständig arbeiten und hatte bei der Elektro Burkhalter AG immer das Gefühl, nicht wie ein Lehrling, sondern wie ein vollwertiges Teammitglied behandelt zu werden. Auch darum arbeite ich immer noch hier.

«Ich wurde immer gefördert und durfte früh Verantwortung übernehmen.»

Warum hast du dich entschieden, nach der Lehre bei Elektro Burkhalter zu bleiben?
Ich wurde immer gefördert und durfte früh Verantwortung übernehmen. Dieses Vertrauen, das mir hier vom ersten Tag an entgegengebracht wurde, war ausschlaggebend für meine Entscheidung. Ausserdem kann ich meine sportlichen Ambitionen weiterverfolgen und werde auch dabei unterstützt.

Wie sieht dein Alltag heute aus – und wie lässt sich das mit dem Sport vereinbaren?
Inzwischen habe ich mich an die Doppelbelastung gewöhnt. Es war nicht immer leicht – besonders im zweiten Lehrjahr. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Wenn man ein Ziel hat, kann man alles schaffen.

Was gefällt dir besonders an deinem Beruf?
Die Abwechslung. Man ist auf verschiedenen Baustellen und macht immer wieder andere Arbeiten. Es ist nie genau gleich. Manchmal weiss man morgens gar nicht, was einen erwartet – das gefällt mir. Man muss flexibel sein und bereit für Neues.

«Ich habe gelernt, Fehler positiv zu sehen. Sie sind kein Weltuntergang, sondern eine Chance zu lernen.»

Was nimmst du aus dem Sport für den Beruf mit?
Im Sport muss ich in Sekundenschnelle entscheiden, und nicht immer ist die Entscheidung richtig. Im Beruf gehören Fehler auch dazu – und damit muss man umgehen können. Ich habe gelernt, Fehler positiv zu sehen. Sie sind kein Weltuntergang, sondern eine Chance zu lernen.

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben, die Sport und Beruf kombinieren wollen?
Ich glaube man muss einfach dranbleiben. Es ist völlig normal, dass man nicht immer motiviert ist. Aber wenn man dranbleibt, wird man irgendwann belohnt. Disziplin ist also wichtig. Aber wichtig ist auch, dass man sich kleine, erreichbare Ziele setzt – und nicht gleich von Anfang an versucht, das ganz grosse, noch weit entfernte Ziel zu erreichen.

Was bedeutet dir dein Team – sportlich wie beruflich?
Sehr viel, denn Elektroinstallateur ist ein Teamberuf. Durch den Sport habe ich gelernt, besser zu kommunizieren. Und ich weiss durch meine Sport-Erfahrung auch, wie man mit Menschen umgeht – das hilft im Alltag enorm.

Inzwischen hat Davud den Sprung in die U21-Nationalmannschaft geschafft. Parallel dazu trainiert er bereits regelmässig mit einer Mannschaft der Nationalliga A. Wir danken Davud für das Gespräch und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg – auf und neben dem Spielfeld!

Bilder: IHF / Kolektiff / Sasa Pahic Szabo.