Mitarbeitende erzählen

Integration bei Guyer: Gebäudetechnik, die verbindet

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Fachkräfte sind heute rar, auch in der Gebäudetechnik. Gleichzeitig suchen viele geflüchtete Jugendliche händeringend eine Lehrstelle. Die Guyer Wärme und Wasser AG hat bereits viele von ihnen eingestellt – und sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir haben mit Geschäftsleiter Antonio Curia, Berufsbildner Jetmir Ajeti sowie mehreren betroffenen Jugendlichen über Nachwuchsförderung, Leidenschaft und Integration gesprochen.

Der Weg von der Schule ins Berufsleben ist mit Unsicherheiten gepflastert. Ein Migrationshintergrund verstärkt diese zusätzlich. Bei der Firma Guyer scheinen sich Lernende, insbesondere auch geflüchtete Jugendliche oder solche mit anderem Migrationshintergrund, besonders wohlzufühlen. Wir wollten wissen, warum das so ist. 

«Es darf keine Rolle spielen, woher jemand kommt – wichtig ist, was er mitbringt.»
Antonio Curia, Geschäftsleiter

Welche Bedeutung hat die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund für dein Unternehmen?
Antonio: «Eine sehr grosse. Einerseits bieten wir Jugendlichen mit einer bewegten Vergangenheit eine Perspektive. Andererseits motivieren wir sie für eine Ausbildung in der Gebäudetechnik und wirken so aktiv dem Fachkräftemangel in der Branche entgegen.» 

Wie beurteilst du die Entwicklung eurer Bemühungen und was waren die grössten Erfolge?
Antonio: «Die Entwicklung zeigt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Die von uns ausgebildeten Personen lernen nicht nur sehr schnell die Sprache, sondern fügen sich auch kulturell sehr gut ein. Sie sind sowohl in der Schule als auch im Betrieb mit vollem Einsatz dabei. Zu sehen, wie sich die jungen Leute über die Jahre entwickelt haben und heute teilweise selbständig Baustellen leiten, ist mein persönlicher Erfolgsmoment.»

Welche Massnahmen habt ihr ergriffen, um die Integration im Betrieb zu fördern?
Antonio: «Wir stehen in regelmässigem Austausch mit den Fachstellen und unterstützen bei Bedarf – beispielsweise, indem wir Deutschkurse bezahlen.»

Wie gehst du mit den Herausforderungen um, die bei der Integration von Mitarbeitenden mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund entstehen?
Antonio: «Die Baubranche ist seit vielen Jahrzehnten eine multikulturelle Branche. Für uns ist das nichts Neues. Wir waren schon immer offen für andere Kulturen und Religionen und mussten uns diesbezüglich nicht verändern.»

Was sind deine Ziele für die Zukunft in Bezug auf Vielfalt und Integration bei Guyer?
Antonio: «Es darf keine Rolle spielen, woher jemand kommt oder wie jemand aussieht. Ich wünsche mir einen offenen Umgang mit allen Kulturen und Religionen. Wir werden unser Engagement in Zukunft weiter verstärken.»

Oltion Hysenaj
Alter: 18
Lehre: Heizungsinstallateur EFZ im zweiten Lehrjahr
Herkunft: In der Schweiz geboren, Eltern aus dem Kosovo (1995 eingewandert)
Ziel: Nach der Lehre eine Weiterbildung zum Projektleiter – Wunsch: Bürotätigkeit

Muhammed Giana
Alter: 19
Lehre: Heizungspraktiker EBA im zweiten Lehrjahr
Herkunft: Gambia, seit 2020 in der Schweiz
Ziel: Im Anschluss eine EFZ-Lehre zum Heizungsinstallateur beginnen

Was hat dich ursprünglich dazu bewogen, eine Lehre bei Guyer zu beginnen?

Oltion: «Ich habe Verwandte, die schon bei Guyer gearbeitet haben. Einer von ihnen hat mir die Lehre als Heizungsinstallateur EFZ empfohlen – er meinte, sie sei praxisnah und für mich gut geeignet.»

Muhammed: «Die Tempus Schule hat mir einen Schnuppertag im Lager in Wallisellen vermittelt. Danach habe ich mich beworben – und die Lehrstelle bekommen.»

Ermiyas: «Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Schon beim ersten Gespräch mit dem Berufsbildner merkte ich, dass man mir wirklich zuhört und mich ernst nimmt. Obwohl ich ziemlich nervös war und mein Deutsch noch nicht perfekt, hat niemand ungeduldig reagiert oder mich ausgelacht. Im Gegenteil – alle haben mir geholfen, wenn mir mal die Worte gefehlt haben. Auch im Team wurde ich herzlich aufgenommen, die Stimmung war von Anfang an positiv.»

Welche Herausforderungen hattest du bei deiner Ankunft in der Schweiz zu meistern und wie hat dir die Arbeit bei Guyer dabei geholfen?

Oltion: «Ich selbst bin hier geboren, aber meine Eltern hatten damals mit der Sprache zu kämpfen – das hat unseren Alltag stark geprägt.»

Muhammed: «Die Sprache war für mich am schwierigsten. Aber bei der Arbeit spreche ich jeden Tag Deutsch – das hilft mir, immer besser zu werden.»

Ermiyas: «Auch für mich war die Sprache das Schwierigste. Die Zusammenarbeit mit den Monteuren hat mir sehr geholfen – ich habe nicht nur fachlich viel gelernt, sondern auch sprachlich Fortschritte gemacht.»

Gibt es ein besonderes Erlebnis, das deine Integration bei Guyer gefördert hat?

Oltion: «Da ich in der Schweiz aufgewachsen bin, gab es für mich kein spezielles Erlebnis. Aber ich habe durch den Arbeitsalltag viel von anderen Kulturen und Persönlichkeiten mitbekommen.»

Muhammed: «Ich kann kein einzelnes Erlebnis nennen, aber durch das Team habe ich viel gelernt – auch über das Leben hier in der Schweiz.»

Ermiyas: «Mir geht es ähnlich: Ich habe durch die Arbeit viel Fachliches gelernt – aber auch, wie man sich als Mensch weiterentwickelt.»

Ermiyas Mulugeta
Alter: 21
Lehre: Sanitärpraktiker EBA im zweiten Lehrjahr
Herkunft: Eritrea, seit 2019 in der Schweiz
Ziel: Anschlusslehre als Sanitärinstallateur EFZ

Welche Unterstützung bietet Guyer speziell für Lernende mit Migrationshintergrund?

Oltion: «Dazu kann ich nichts sagen – ich habe diese Unterstützung persönlich nie gebraucht.»

Muhammed: «Wir dürfen an Stützkursen teilnehmen und werden vom Betrieb aktiv dabei unterstützt. Das ist sehr hilfreich.»

Ermiyas: «Man bekommt viel Unterstützung und der Betrieb steht immer hinter einem.»

Wie hat das interkulturelle Umfeld bei Guyer deinen Arbeitsalltag und deine persönliche Entwicklung beeinflusst?

Oltion: «Ich habe viel von verschiedenen Menschen gelernt – besonders, was Ordnung und Fokus bei der Arbeit betrifft.»

Muhammed: «Ich habe nicht nur die Sprache weiter gelernt, sondern auch die Kulturen besser kennengelernt. Das hat mich offener gemacht.»

Ermiyas: «Ich sehe ehrlich gesagt keinen grossen Einfluss, aber ich komme mit allen gut aus.»

Wie siehst du deine berufliche Zukunft nach der Lehre bei Guyer? Hast du Weiterbildungs- oder Karrierepläne?

Oltion: «Mein Masterplan ist, später im Büro zu arbeiten – vielleicht über eine Weiterbildung zum Projektleiter.»

Muhammed: «Ich möchte nach meinem Abschluss noch die Lehre als Heizungsinstallateur EFZ absolvieren.»

Ermiyas: «Ich möchte nach dem Sanitärpraktiker noch die Lehre zum Sanitärinstallateur EFZ machen.»

«Ich kenne das Gefühl, fremd zu sein – und auch, was dagegen hilft.»
Jetmir Ajeti, Berufsbildungsverantwortlicher

Du hast selber einen Migrationshintergrund. Wie beeinflusst diese Erfahrung deine Rolle als Berufsbildungsverantwortlicher bei der Guyer AG?
Jetmir: «Mein eigener Werdegang hilft mir, die Herausforderungen und Chancen zu verstehen, die junge Menschen mit Migrationshintergrund erleben. Ich bin auf legalem Weg in die Schweiz gekommen, da mein Vater bereits hier gearbeitet hat. Das hat mir einige Hürden erspart. Trotzdem weiss ich, wie es sich anfühlt, in einem neuen Land mit einem neuen Bildungssystem, anzukommen. Diese Erfahrung macht mich heute sensibel dafür, wo unsere Lernenden Unterstützung brauchen – fachlich, sprachlich, kulturell.»

Inwiefern siehst du dich selbst als Vorbild für Jugendliche mit Migrationshintergrund im Unternehmen?
Jetmir: «Ich glaube, meine Geschichte zeigt, dass Integration und beruflicher Erfolg möglich sind, wenn man sich engagiert. Mein Ziel ist es, die Lernenden zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass sie mit Einsatz und der richtigen Einstellung viel erreichen können – egal woher sie kommen.»

Hat dein persönlicher Hintergrund die Art und Weise beeinflusst, wie du Integrations- und Ausbildungsprogramme bei Guyer gestaltest?
Jetmir: «Absolut. Ich lege grossen Wert auf eine faire, unterstützende Ausbildungskultur. Für mich ist es wichtig, dass alle Lernenden – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – die gleichen Chancen haben. Das heisst auch, dass wir gezielt auf individuelle Bedürfnisse eingehen, sei es sprachlich, kulturell oder fachlich.»

Wie hilft dir deine eigene Migrationsgeschichte, die Herausforderungen und Bedürfnisse der Lernenden besser zu verstehen und darauf einzugehen?
Jetmir: «Ich kenne die Unsicherheiten, die mit einer neuen Umgebung und einem neuen Arbeitsumfeld verbunden sind. Auch wenn meine Situation etwas anders war als die von Geflüchteten, weiss ich, wie wichtig es ist, Unterstützung zu bekommen. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass unsere Lernenden nicht nur fachlich, sondern auch persönlich gut begleitet werden.»

Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich, wenn Lernende aus verschiedenen Kulturen zusammenkommen, und welche Strategien setzt du ein, um diese zu bewältigen?
Jetmir: «Unterschiedliche kulturelle Hintergründe bringen verschiedene Erwartungen und Kommunikationsstile mit sich. Das kann zu Missverständnissen führen. Wir setzen auf eine klare Kommunikation, Teamarbeit und regelmässige Gespräche, um ein gutes Miteinander zu fördern. Respekt und Offenheit sind dabei das Wichtigste.»

Wie stellst du sicher, dass die Ausbildungsziele erreicht werden, während du gleichzeitig auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden eingehst?
Jetmir: «Jeder Lernende bringt andere Stärken und Herausforderungen mit. Deshalb setzen wir auf eine individuelle Betreuung und regelmässige Standortgespräche. Wir geben gezielte Unterstützung, sei es durch interne Schulungen oder externe Fördermassnahmen. Wichtig ist, dass die Jugendlichen motiviert bleiben und sehen, dass sie vorankommen.»

Kannst du Beispiele für Erfolgsgeschichten teilen?
Jetmir: «Ja, einige unserer ehemaligen Lernenden sind heute erfahrene Monteure oder übernehmen verantwortungsvolle Aufgaben. Besonders stolz bin ich auf einen Lernenden, der als Flüchtling zu uns kam und sich inzwischen zum Chefmonteur hochgearbeitet hat. Solche Erfolge zu sehen, motiviert mich in meiner Arbeit.»