Gebäudetechnik

HORTUS Allschwil – Elektrotechnik für ein Gebäude der Zukunft

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Mit dem Projekt HORTUS im Switzerland Innovation Park Basel Area Main Campus in Allschwil ist ein Bauwerk entstanden, das weit über klassische Nachhaltigkeitsansätze hinausgeht. Das «House of Research, Technology, Utopia and Sustainability» setzt neue Massstäbe für zirkuläres, zukunftsweisendes Bauen und zeigt, wie Architektur, Technik und Umweltverantwortung zu einem ganzheitlichen Konzept verschmelzen. Projektleiter Samuel Vollmeier von der K. Schweizer AG durfte dieses zukunftsweisende Projekt mit umfassenden elektrotechnischen Leistungen begleiten.

Ein Leuchtturmprojekt für nachhaltiges Bauen
HORTUS ist als Plusenergie-Gebäude konzipiert: Die sehr grosse Photovoltaikanlage auf Dach und Fassade mit einer Fläche von rund 5’000 m² produziert jährlich etwa 800’000 kWh Strom – deutlich mehr, als das Gebäude selbst benötigt. Ziel ist es, die gesamte Erstellungsenergie innerhalb von rund 30 Jahren zurückzugewinnen. Danach soll HORTUS mehr Energie erzeugen, als es benötigt.

Energieeffizienz ist im Projekt HORTUS integraler Bestandteil der Planung, Umsetzung und des Betriebs. Sie entsteht aus der engen Abstimmung von Gebäudestruktur, Bauphysik, Haustechnik und Elektrotechnik sowie aus einer konsequenten Auslegung der Systeme auf einen ressourcenschonenden und optimierten Betrieb. Die systematische Überwachung des Energieverbrauchs sichert die Energieeffizienz langfristig.

Kreislaufwirtschaft konsequent umgesetzt
Ein zentrales Element des Projekts ist die konsequente Ausrichtung auf Kreislaufwirtschaft. Dieser Anspruch zeigte sich auch in vielen Details der Ausführung: HORTUS wurde von Beginn an nach den Prinzipien des zirkulären Bauens geplant und die Bauteile sind so konzipiert, dass sie demontiert, getrennt und wiederverwendet werden können. Der Fokus liegt bewusst auf Trennbarkeit statt auf schwer rückbaubaren Verbundstoffen.

Auch in der Elektrotechnik spielte dieser Ansatz eine wichtige Rolle. Für Samuel Vollmeier war insbesondere die Trennbarkeit der eingesetzten Materialien ein zentrales Thema: «Wir mussten bei jeder Komponente mitdenken, was nach dem Lebenszyklus passiert. Materialien müssen trennbar sein, nur so funktioniert Kreislaufwirtschaft wirklich.» So kamen unter anderem Kabelkanäle aus recyceltem Karton zum Einsatz. Bei Leuchten und Installationen wurde darauf geachtet, dass Glas, Elektronik und Metall später sortenrein getrennt werden können. Energieeffizienz beginnt hier bereits bei der Materialwahl – ein Prinzip, das sich durch das gesamte Projekt zieht.

Innovative Konstruktion – reduziert auf das Wesentliche
Die Gebäudestruktur basiert überwiegend auf einer Holz-Lehm-Konstruktion, die im Vergleich zu konventionellen Stahlbetonbauten deutlich weniger graue Energie verursacht. Auf eine Unterkellerung wurde bewusst verzichtet, um Beton, Aushub und Erstellungsenergie zu reduzieren. Statt einer durchgehenden Bodenplatte kamen Punktfundamente zum Einsatz und Beton nur dort, wo er statisch notwendig ist.

Diese Entscheidungen beeinflussten auch die elektrotechnische Planung und Ausführung und erforderten eine enge Abstimmung zwischen allen Fachdisziplinen.

Elektrotechnik als Schlüssel zur Nachhaltigkeit
Unter der Leitung von Samuel Vollmeier, Projektleiter bei der K. Schweizer AG, umfasste der Leistungsumfang ein breites Spektrum. Für ihn war HORTUS weit mehr als ein klassisches Bauprojekt: «HORTUS hat uns als Projektteam von Anfang an gefordert – fachlich, aber auch im Denken. Nachhaltigkeit wurde hier nicht als Zusatz verstanden, sondern als Grundlage für jede Entscheidung.»

Der elektrotechnische Leistungsumfang umfasste:

  • Elektro- und Kraftinstallationen
  • Beleuchtungen sowie Not- und Fluchtwegbeleuchtungen
  • Maschinen- und Anlageninstallationen
  • EMSR-Installationen und Unterstützung bei der Inbetriebnahme
  • Kommunikationsinstallationen inkl. Glasfaser und UKV
  • Brandmelde-, Zutritts- und Sicherheitsanlagen
  • Installations- und Sicherheitskontrollen

Besonderes Augenmerk lag auf einer sauberen, dokumentierten Inbetriebnahme sowie auf der Integration der elektrotechnischen Systeme in das übergeordnete Energiekonzept des Gebäudes. Samuel Vollmeier betont dabei die Bedeutung der frühen Koordination: «Gerade bei einem Plusenergie-Gebäude ist es entscheidend, dass alle Systeme von Beginn an aufeinander abgestimmt sind. Elektrotechnik ist hier nicht nur Infrastruktur, sondern ein aktiver Teil des Energiekonzepts.»

Biodiversität als Teil des Gesamtkonzepts
Auch die Umgebung und der Innenhof des Bürogebäudes sind integraler Bestandteil des Nachhaltigkeitskonzepts. Die Bepflanzung mit lokalen Wildstauden, Gräsern und Sträuchern schafft wertvolle Lebensräume für Vögel und Insekten und trägt nachweislich zu einer höheren Biodiversität bei als konventionelle Grünflächen. Technik, Natur und Aufenthaltsqualität greifen hier bewusst ineinander.

Nachhaltigkeit ganzheitlich gedacht
HORTUS zeigt eindrucksvoll, wie zukunftsfähiges Bauen aussehen kann, wenn Architektur, Konstruktion und Technik von Beginn an gemeinsam gedacht werden. Für die K. Schweizer AG war das Projekt nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch inhaltlich richtungsweisend. Samuel Vollmeier bringt es auf den Punkt: «Nachhaltige Elektrotechnik bedeutet heute mehr als effiziente Anlagen. Sie beginnt bei der Materialwahl, setzt sich in der Planung und Ausführung fort und zeigt ihren Wert erst im langfristig optimierten Betrieb.» 

«Wir sind stolz, Teil eines Projekts zu sein, das neue Wege geht und dabei zeigt, wie Technik, Umweltbewusstsein und menschliche Bedürfnisse in Einklang gebracht werden können.»
Samuel Vollmeier, Projektleiter bei der K. Schweizer AG