Mitarbeitende erzählen

Eine «Karriere am Bau», warum nicht?

7 Minuten Lesedauer
Venupalan Gopalasingam ist Filialleiter bei der Derungs AG am Standort Flims. Der junge Mann, der sich unkompliziert mit Venu vorstellt, hat mit seinen 30 Jahren bereits ein bewegtes Leben hinter sich. Im Jahr 2007 ist er mit seiner Familie aus politischen Gründen von Sri Lanka in die Schweiz geflüchtet. Dies hat ihn nicht daran gehindert, in nur 13 Jahren seine «Karriere am Bau» innerhalb der Burkhalter Gruppe stetig voranzutreiben. Seinen Werdegang verrät uns Venu hier.

Venu, warum ist deine Familie in die Schweiz geflüchtet?

Wegen dem herrschenden Bürgerkrieg in Sri Lanka, der von 1983 bis 2009 dauerte, mussten wir aus politischen Gründen, in welche mein Vater damals verwickelt war, Hals über Kopf in die Schweiz flüchten. Es ging alles sehr schnell. Die Schweizer Botschaft hat uns unkompliziert ins Land gebracht. Zum Glück wartete auf uns auch kein langwieriges Asylverfahren. Wir wurden umgehend im Asylheim Kreuzlingen untergebracht. Da blieben wir drei Wochen.

Was ist danach passiert?

Zuerst ein erneuter Umzug nach Chur ins Asylzentrum. Es folgten weitere Umzüge nach Schluein und Tamins, da wurden wir endlich sesshaft. Meine zwei Schwestern und ich wurden dann in die Schule eingegliedert. Glücklicherweise folgte für unsere Familie die offizielle Anerkennung als Flüchtlinge mit dem B-Ausweis. Dies bedeutete somit auch eine erste eigene Wohnung für uns alle. 

Wie alt warst du da?

Als wir nach Felsberg gezogen sind, war ich 16 Jahre alt. Ich habe dort die Schule von der 9. bis zur 10. Oberstufe besucht. Die Schule war für mich sprachlich gesehen eine Herausforderung. Wir haben uns bis dahin in der Schweiz nur auf Englisch ausgetauscht und mussten die deutsche Sprache von Grund auf in der Schule lernen.

«Die Möglichkeiten in der Schweiz sind riesig, insbesondere bei der Berufswahl. Es gibt so viele interessante Berufe, die man erlernen kann.»
Venupalan Gopalasingam, Filialleiter Derungs Elektro, Flims

Wie bist du auf den Beruf Elektroinstallateur EFZ aufmerksam geworden?

Interessanterweise kann ich es mir nicht erklären, warum mich genau dieser Beruf fasziniert hat. Ich war gut in Mathematik, aber ich hatte keine Vorbilder in meiner Familie, die handwerklich begabt waren und mich z. B. zu einer Lehre in diesem Umfeld ermutigten. Ich habe dann im 10. Schuljahr ganze fünf Schnupperlehren als Elektroinstallateur sowie Netzelektriker absolviert. An meine letzte bei der Schönholzer AG in Chur habe ich speziell gute Erinnerungen, denn sie war kurz vor Weihnachten. Meine Betreuer waren alle nett und entspannt, auch die Arbeit auf der Baustelle hat mir gut gefallen. Eine «easy» Woche also. Danach habe ich mich mit dem damaligen Geschäftsführer Felix Danuser zusammengesetzt und ihn gefragt, ob ich die Lehre als Elektroinstallateur EFZ bei ihm im Unternehmen absolvieren könne. Aufgrund meiner mässigen Deutschkenntnisse und meiner privaten Vorgeschichte haben wir uns darauf geeinigt, dass ich zuerst die Lehre als Montage-Elektriker EFZ starte und wir schauen, wie es schulisch läuft und ob ich mithalten kann. Felix Danuser hat mir bereits damals versprochen, dass eine Zusatzlehre zum Elektroinstallateur EFZ problemlos möglich wäre und er dies auch unterstützen würde, sofern die schulischen Leistungen stimmten.

Du hast deine Lehre im Jahr 2013 erfolgreich abgeschlossen. Was folgte danach?

Ehrlicherweise wollte ich mich nach der Lehre direkt zum Elektroplaner EFZ ausbilden lassen, habe mich dann aber wie abgemacht doch für die zweijährige Zusatzlehre zum Elektroinstallateur EFZ entschieden. Dass dies bei der Schönholzer AG so reibungslos möglich war, passte für mich perfekt. Ich war schon froh darüber, dass mir meine Vorgesetzten immer die nötige Zeit geschenkt haben, die ich brauchte, um mich in der Schweiz zurechtzufinden und anzukommen.

Nach deiner Zusatzlehre hast du erste Berufserfahrungen gesammelt und weitere Ausbildungen in Angriff genommen.

Genau, im Jahr 2017 habe ich die zweijährige Weiterbildung zum Sicherheitsbeauftragten (SIBE) gestartet. Gearbeitet habe ich nach wie vor 100 %, dies meistens in vier Tagen und am Freitag hatte ich jeweils Schule. Mit Überstunden etc. ist sich das in etwa ausgegangen. Zusätzlich habe ich noch die Ausbildung zum Dipl. Elektro-Projektleiter in Angriff genommen. Leider bin ich da beim ersten Mal durch die Prüfung gerasselt. Rückblickend war es für mich, sprachlich wie beruflich, ein bisschen zu viel auf einmal. Es war nach wie vor nicht immer ganz einfach für mich, den ganzen Schulstoff im Unterricht sprachlich einwandfrei zu verstehen. Auch die Praxiserfahrung im Büro fehlte natürlich.

«Ich hatte die Chance mit 16 Jahren gesehen und sie einfach gepackt. Das ist in der Schweiz für alle möglich und das liebe ich an diesem Land. Es stehen einem alle Türen offen, egal in welche Richtung.»
Venupalan Gopalasingam, Filialleiter Derungs Elektro, Flims

Im Jahr 2020 bist du eine Station weitergezogen ins schöne Engadin, warum?

Während meiner Ausbildung zum Dipl. Elektro-Projektleiter habe ich gemerkt, dass ich dringend Berufserfahrungen im Büro benötige, um das Gelernte im täglichen Arbeitsalltag umzusetzen. Leider gab es zu dieser Zeit keine offene Vakanz bei Schönholzer als Projektleiter. Ich muss zugeben, ich war ein bisschen frustriert und spielte mit dem Gedanken, das Unternehmen zu verlassen, merkte aber zugleich, dass ich gerne weiterhin für die «Burkhalter-Familie» arbeiten möchte. Und auch, weil mich Schönholzer von der Lehre bis hin zu meinen Weiterbildungen immer bedingungslos unterstützt hat. Und siehe da, plötzlich wurde eine Türe für mich im Engadin aufgestossen. 

Inwiefern?

Die vielen Unternehmen der Burkhalter Gruppe sind untereinander gut vernetzt. Die beiden Geschäftsführer Felix Danuser und Marco Triulzi (Triulzi AG) haben sich bei einer Regionen-Sitzung untereinander ausgetauscht und wie es der Zufall wollte, war eine Stelle bei der Triulzi AG in St. Moritz als Elektro-Projektleiter frei. 

Also wieder zügeln?

Nicht ganz. Es folgten drei intensive Jahre, die ich als Wochenaufenthalter in St. Moritz verbracht habe. Nach einer kurzen Einführungszeit von einigen Monaten im Büro von Triulzi durfte ich bereits kleine Offerten rechnen und eigene Baustellen betreuen. Geschäftsführer Marco Triulzi hat mir von Anfang an viel Vertrauen geschenkt, ich konnte dadurch in kurzer Zeit viel Berufserfahrung sammeln. Im zweiten Anlauf habe ich dann auch die Ausbildung zum Dipl. Elektro-Projektleiter bestanden. Rückblickend war die Zeit im Engadin wundervoll. Wir waren ein eingespieltes Team und gemeinsam haben wir viele grossartige Projekte umgesetzt. Es war alles dabei, von einem Casino bis zur luxuriösen Villa.

«Dass ich mich für eine Lehre bei einem Unternehmen der Burkhalter Gruppe entschieden habe, war rückblickend eine der besten Entscheidungen, die ich getroffen habe.»
Venupalan Gopalasingam, Filialleiter Derungs Elektro, Flims

Aber?

Die ständige Pendelei zwischen dem Engadin und Chur war für mich anstrengend. Ich habe mir in Chur ein soziales Umfeld aufgebaut, meine Familie und Verwandte leben in Chur. Diese sozialen Kontakte habe ich unter der Woche im Engadin vermisst. Da ich im Jahr 2019 zusätzlich noch den Eidg. dipl. Elektroinstallateur, also die Meisterprüfung in Angriff genommen habe, war für mich klar, dass ich diese zuerst abschliessen will, bevor ich mir Gedanken zu einem Wechsel im Raum Chur mache. Im Jahr 2021 war es dann so weit, ich hatte die Meisterprüfung im Sack.

Und dann?

Ich führte Gespräche mit Schönholzer, doch da hatte sich zwischenzeitlich aufgrund eines Geschäftsführerwechsels auch einiges geändert. Auch war damals keine Stelle als Projektleiter frei, die zu mir gepasst hätte. Zu dieser Zeit hat Schönholzer die Filiale in Flims an die Derungs AG in Ilanz übergeben. Wie es der Zufall wollte, hatte Remo Caminada, Geschäftsführer von Derungs, eine Stelle als Filialleiter zu besetzen. Dass sich mir diese Stelle angeboten hat, war wiederum auf den guten Austausch unter den Geschäftsführern zurückzuführen. Also brach ich meine Zelte im Engadin ab und zog zurück nach Chur, um hier als Filialleiter so richtig durchzustarten. Wir sind im Durchschnitt ein Team aus fünf Mitarbeitenden. Mein Job ist es, die Filiale ein wenig auszubauen und lokale Projekte voranzutreiben.

Dein Werdegang kann sich sehen lassen, wie hast du das alles unter einen Hut gebracht?

Energie dafür schöpfte ich aus meiner Familie und meinem Hobby, dem Cricket. Rückblickend bin ich schon stolz auf meine tägliche Arbeit und meinen Werdegang. Ich hatte die Chance mit 16 Jahren gesehen und sie einfach gepackt. Das ist in der Schweiz für alle möglich und das liebe ich an diesem Land. Es stehen einem alle Türen offen, egal in welche Richtung. Nur durchgehen muss man selbst, auch das habe ich gelernt. Ich möchte hervorheben, dass ich seit dem Start meiner Lehre viel profitieren konnte vom Konstrukt der Burkhalter Gruppe. Dank des guten Austausches der Geschäftsführer Felix Danuser, Marco Triulzi und Remo Caminada konnte ich während meiner Aus- und Weiterbildung viele Stationen in unterschiedlichen Unternehmen durchlaufen. Dank dieser Möglichkeit und Unterstützung bin ich heute da, wo ich sein möchte.

Weiterbilden und weiterkommen

Wir unterstützen die Weiterbildungsambitionen unserer Mitarbeitenden. Denn technisch einen Schritt voraus zu sein, verschafft uns einen Vorsprung. Ein Grossteil unserer Mitarbeitenden bleibt uns langfristig treu, denn nach Abschluss der Grundausbildung stehen ihnen zahlreiche Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten offen. So sind bei uns Karrieren, die sich von der Lehre bis zur Elektroinstallations- und Sicherheitsfachperson entwickeln, sehr häufig. Auch die Geschäftsführer und Geschäftsführerinnen unserer Gruppengesellschaften haben ihre Karriere einst mit einer Lehre zum Elektroinstallateur EFZ begonnen.

Welchen Tipp würdest du jungen Menschen bezüglich Berufswahl mitgeben?

Die Möglichkeiten in der Schweiz sind riesig, insbesondere bei der Berufswahl. Es gibt so viele interessante Berufe, die man erlernen kann. An meinem Werdegang wird ersichtlich, dass einem insbesondere die Elektrotechnik viele Entwicklungschancen bietet. Mit meinen 30 Jahren habe ich bereits eine beachtliche «Karriere am Bau» durchlaufen. Dass ich mich für eine Lehre bei einem Unternehmen der Burkhalter Gruppe entschieden habe, war rückblickend eine der besten Entscheidungen, die ich getroffen habe. 

Warum?

Eines kann ich mit Gewissheit sagen: Die Burkhalter Gruppe ist eine grosse Familie, die sich versteht, gemeinsam Grosses leistet und aufeinander Acht gibt. Das schätze ich enorm und darum fühle ich mich bis heute pudelwohl im Unternehmen. Wer weiss, vielleicht arbeite ich eines Tages für ein Unternehmen ausserhalb der Gruppe, so etwas kann man nie ausschliessen. Aber die Burkhalter Gruppe zu verlassen, die mich beruflich wie privat so fest unterstützt hat, würde mir bestimmt enorm schwerfallen.

Steckbrief

Name: Venupalan Gopalasingam

Alter: 30 Jahre

Ausbildungen:

- Montage-Elektriker EFZ
- Elektroinstallateur EFZ (Zusatzlehre)
- Sicherheitsberater (SIBE)
- Dipl. Elektro-Projektleiter
- Eidg. dipl. Elektroinstallateur