Gebäudetechnik

Ein neues Kantonsspital für Baden

Lesedauer 6 Minuten
Das Kantonsspital Baden (KSB) weicht nach fast 50 Jahren einem neuen, modernen Neubau, welcher im Herbst an die Bauherrschaft übergeben und im ersten Quartal 2025 in Betrieb genommen wird. Auf neun Stockwerken und einer Nutzungsfläche von ca. 76 000 m2 wird es Platz für rund 400 Betten haben. Die Elektro-Bau AG in Rothrist ist zusammen mit der Jost Elektro AG für Stark- und Schwachstrominstallationen in den Bereichen Brandmeldeanlagen, elektronische Zutrittskontrollen, Einbruchsschutz und Videoüberwachung, Storen, Gastrobetriebe sowie für Lüftungs- und Heizungssysteme verantwortlich. Des Weiteren war die Demuth AG aus Baden-Dättwil, auch ein Unternehmen der Burkhalter Gruppe, für einen Grossteil der sanitärtechnischen Installationen zuständig. Mit dem Projektleiter Pius Meier von Elektro-Bau AG sprechen wir über die Herausforderungen des Projekts im Elektrobereich und warum  bei der Umsetzung auf moderne Technologien wie BIM (Building Information Modeling) gesetzt wurde.

Wir treffen Pius Meier frühmorgens im eigenen Baucontainer, von wo aus er alle elektrotechnischen Arbeiten für rund sieben Teamleiter und deren Teams auf der Baustelle koordiniert. Was auffällt: Das Montagepersonal ist ausschliesslich mit Tablets ausgerüstet. Dies, weil das Bauprojekt Agnes, der Neubau des KSB, mit BIM umgesetzt wird. Sämtliche elektrische Installationen sind auf der digitalen Projektplattform Dalux abrufbar – alles in 3D modelliert und mit den nötigen Informationen für das Montagepersonal versehen. Natürlich werden auch alle Aufgaben über die Plattform verteilt, koordiniert und dokumentiert. Nach der Ausführung werden alle Arbeiten durch die Elektroprofis geprüft und abgenommen. Ausgedruckte Baupläne, wie man sie von Baustellen kennt, sucht man im KSB also vergebens: Es wären X-tausende Quadratmeter Planunterlagen, die niemand freiwillig herumtragen möchte.

Warum BIM
Building Information Modeling, kurz BIM, ist eine Technologie, die alle Informationen rund um den Bauprozess digital abbildet. Die Möglichkeit, das Projekt Agnes damit abzuwickeln, hat die Elektro-Bau AG besonders gereizt. Pius Meier meint: «Wir erhalten durch das Bauprojekt die Möglichkeit, neue Technologien bequem im Praxisalltag zu testen und wo nötig zu verfeinern. Das hilft uns enorm, wichtige Erfahrungswerte zu sammeln, um in Zukunft noch effizienter auf Baustellen arbeiten zu können.»

Den grössten Vorteil von BIM sieht Pius Meier darin, sämtliche Aufgaben auf der Baustelle transparent dokumentieren, intern verteilen, prüfen, freigeben und abnehmen zu können. Er ergänzt: «Dieser Prozess funktioniert mittlerweile kinderleicht. Eine E-Mail genügt, um einzelnen Personen oder ganzen Teams den Zugang zur Plattform zu ermöglichen. Nach erfolgreichem Onboarding können alle Berechtigten beispielsweise Masse millimetergenau aus den Plänen herauslesen oder diese bequem in der 3D-Ansicht auf dem Tablet visualisieren lassen».

«Durch BIM wird der ganze Bauprozess transparent und für alle einsehbar.»
Pius Meier, verantwortlicher Projektleiter Elektro-Bau AG

Ein weiteres Plus sieht Pius Meier im Pendenzen-Management: «Bereitet eine elektrische Installation Schwierigkeiten, können wir Kommentare und Fotos hinterlegen. Meine Kernaufgabe liegt in der Koordination und sorgfältigen Abarbeitung dieser Pendenzen. Dadurch werden die Monteure auf der Baustelle weitgehend von Diskussionen entlastet, die den Baufortschritt verzögern würden. Und falls etwas direkt mit der Bauherrschaft geklärt werden muss, kümmere ich mich persönlich darum».

Mehrwert Transparenz
Durch BIM wird der ganze Bauprozess transparent und für alle einsehbar. Einerseits haben die verschiedenen Planer die Übersicht über die aktuellen Unterlagen sowie die offenen und erledigten Pendenzen. Auf der anderen Seite können alle Gewerke auf der Baustelle auf einen einzigen Plan zugreifen und sehen, wann was eingebaut und angeschlossen werden muss. «Dieser Prozess hat sich gewerkübergreifend etabliert und es macht dem ganzen Team Spass, so zu arbeiten. Trotzdem gibt es jeden Tag einen persönlichen Baustellen-Rundgang mit dem Generalplaner und den verantwortlichen Projektleiter/innen, denn BIM ersetzt die persönliche Kommunikation und den Austausch untereinander nicht restlos», ergänzt Pius Meier.

Ein eingespieltes Team
Auch Geschäftsführer Roger Heggli von Elektro-Bau AG ist begeistert, wie eingespielt die Elektrounternehmen und andere Gewerke auf der Baustelle zusammenarbeiten. Er meint: «Ein Projekt dieser Dimension anzunehmen, muss im Vorfeld gut durchgedacht werden. Die Planung der einzelnen Gewerke sowie die detaillierte Terminplanung stellen für das verantwortliche Planungsteam eine grosse Herausforderung dar und sind ein wichtiger Bestandteil für eine funktionierende Ressourcenplanung. Dank der langjährigen Erfahrung im Umgang mit Grossbaustellen und unserem eingespielten Team können wir auch kurzfristige Änderungen seitens der Bauherrschaft grösstenteils problemlos umsetzen. Wo es nur geht, versuchen wir alles daranzusetzen, alles termingerecht zu erledigen. Mit unserer Erfahrung aus den Projekten Spital Olten und Spital Langenthal verfügen wir über die notwendige Erfahrung im technisch komplexen Spitalbau.».

«Nur wenige Elektrounternehmen in der Schweiz können Projekte dieser Dimensionen stemmen.»
Roger Heggli, Geschäftsführer Elektro-Bau AG

Einen weiteren Vorteil für die Elektro-Bau AG sieht Geschäftsführer Roger Heggli auch in der Zugehörigkeit zur schweizweit tätigen Burkhalter Gruppe: «Wir geniessen als Unternehmen der Burkhalter Gruppe vollen Zugang zu den neuesten Technologien und tauschen uns regelmässig untereinander aus. Unsere Mitarbeitenden sind durch diesen stetigen Know-how-Transfer bestens geschult und eignen sich über die Jahre viel Fachwissen und Erfahrung im Umgang mit Projekten jeder Grössenordnung an. Unsere Kundinnen und Kunden profitieren also nicht nur vom Know-how der Elektro-Bau AG, sondern von Erfahrungswerten aus über 50 Gruppengesellschaften im Elektrotechnikbereich. Nur wenige Elektrounternehmen in der Schweiz können Projekte dieser Dimensionen stemmen.

Beim KSB wird die Zusammenarbeit innerhalb der Burkhalter Gruppe bestens ersichtlich. Wir haben nebst unseren Mitarbeitenden der Elektro-Bau AG weitere aus den Unternehmen Marcel Hufschmid AG, Oberholzer AG, EAGB Basel und Robert Widmer AG auf der Baustelle im Einsatz. Man kennt sich, alle fühlen sich wohl und die Zusammenarbeit untereinander macht Spass. Als Geschäftsführer erfüllt es mich mit Stolz, als kompetenter Elektropartner so ein prestigeträchtiges Projekt auszuführen. Mit dem bisherigen Verlauf unserer Arbeiten sind wir sehr zufrieden. Das zeigt mir auf, dass wir dank unserer langjährigen Erfahrung in diesem Segment bereits bei der Eingabe vieles richtig eingeschätzt haben und für die Umsetzung über bestens geschulte Mitarbeitende verfügen. 

Für die Fertigstellung bis im Herbst 2024 steht aus unserer Sicht nichts mehr im Weg. Dennoch befinden wir uns gerade im Endspurt und es wird noch spürbar hektisch, so kurz vor der Übergabe des Spitals. Hervorheben möchte ich die Leistung von all unseren Mitarbeitenden und dem Projektleiter-Team Pius Meier und Adrian Bürgi von Jost Elektro AG, welche sich unermüdlich für die erfolgreiche Umsetzung dieses Projektes eingesetzt haben. Ohne sie wäre das Projekt in dieser knappen Zeit schlicht nicht realisierbar gewesen».

«Hervorheben möchte ich die Leistung von all unseren Mitarbeitenden, welche sich unermüdlich für die erfolgreiche Umsetzung dieses Projektes eingesetzt haben. Ohne sie wäre das Projekt in dieser knappen Zeit schlicht nicht realisierbar gewesen.»
Roger Heggli, Geschäftsführer Elektro-Bau AG

Zahlen und Fakten

  • Bauzeit: Herbst 2018 bis 2024
  • Baukosten: ca. CHF 585 Mio.
  • 9 Stockwerke
  • Nutzfläche: ca. 76 000 m2
  • 400 Spitalbetten
  • 148 Racks
  • 14 000 UKV-Links
  • 7 500 Brandmelder
  • 6 800 Ortungssensoren
  • 4 300 Kilometer installierte Kabel
  • 44 000 Steckdosen